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Corporate Story – warum jeder Konzern eine Geschichte erzählt

Wenn ein deutscher Konzern früher ein Strategiepapier unter seine Leute brachte, dann purzelten die allerallgemeinsten Floskeln im besten Manager-Denglish die Treppe aus der Chefetage hinunter: „Performance verbessern“, „Benchmarks erfüllen“, „Customer-Fokus schärfen“.  Die Ergüsse der meisten Vorstände waren alles Mögliche – nur eines ganz gewiss nicht: eine zusammenhängende Geschichte, die man erzählen konnte.

Deshalb horcht man auf, wenn man im heutigen Handelsblatt eine Geschichte über den Energieriesen RWE liest: Konzernchef Peter Terium überschreibt sein Strategiepapier doch tatsächlich mit den Worten „RWE Corporate Story“: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energiewende-rwe-chef-terium-plant-radikalen-strategieschwenk/9001882.html

Terium hat damit offenbar, anders als viele andere Vorstände, eine zentrale Idee moderner Unternehmenskommunikation begriffen: Jedes Unternehmen braucht eine Geschichte, die man in einfachen Worten erzählen kann: den Mitarbeitern, den Kunden, den Medien, der Politik, der Gesellschaft. Natürlich liefert jeder Konzern, ob er es wahrhaben will oder nicht, viele Geschichten. Aber oft begreifen die Vorstände nicht, dass es auch die EINE, alles überwölbende Corporate Story gibt, um die sich Kommunikation strategisch zu kümmern hat. Vor allem Konzerne, die von Ingenieuren geführt werden, sehen das oft nicht ein. Hier ein interessanter Link zu diesem Thema aus den USA: http://www.esocialmedia.co.uk/2012/01/26/why-every-business-needs-a-corporate-story/

Jeder Vorstand sollte einmal die Probe auf’s Exempel machen: Welche Geschichte erzählt man sich spontan am Stammtisch, wenn die Rede auf das betreffende Unternehmen kommt? Was ist gegenwärtig die „Corporate Story“ der Deutschen Bank? „Auch so eine Zockerbude“ oder „Deutschlands wichtigste Bank“? Oder bei Siemens? „Tolle Ingenieure, tolle Technik“ oder „Ein bürokratischer Laden, der mit General Electric nicht mithält“? Jedes Unternehmen erzählt eine Corporate Story – nur die einen machen es bewusst und die anderen nicht.

 

Bernd Ziesemer

Ein Kommentar

  1. Hallo Her Ziesemer, schön wieder von Ihnen zu lesen! Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Das Manager-Denglisch und der von allen Unternehmens-Bedenkenträgern flachgeschliffene CEO-Sprech ist mir aus meiner Telekom-Zeit noch in schlimmster Erinnerung! Vielleicht hat Heinacher bei Terium schon eine segensreiche Rolle gespielt – er ist ja jetzt anstelle von Volker Heck für Politik und Kommunikation verantwortlich. Hoffentlich lesen auch alle anderen Presse-Menschen in den Unternehmen Ihren Blog; ich habe den Eindruck, dass die Abstimmung von Interviews mit Managern sprachlich inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist….
    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Ihr
    gof

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