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Deutschlands Export, Kaiser Wilhelm und unsere Medien

Kaiser Wilhelm II fühlte sich so lange von seinen außenpolitischen Feinden umstellt, bis sie sich alle wirklich gegen ihn verbündet hatten. Auf internationaler Bühne agierte der deutsche Monarch mit einer merkwürdigen Mischung aus nationaler Kraftmeierei, Minderwertigkeitskomplexen und beleidigter Miene. Mich erinnern viele Kommentare in den deutschen Medien über unseren steigenden Export und vor allem unsere Überschüsse in der Handelsbilanz ein wenig an dieses merkwürdige Grundgefühl des Wilhelminismus.

Um es vorweg zu sagen: In der ökonomischen Debatte gibt es viele wohl begründete Argumente für und gegen hohe Exportüberschüsse. In den deutschen Medien überwiegen eindeutig die Pro-Kommentare. Darum geht es mir an dieser Stelle aber gar nicht. Mit geht es um die wilhelminischen Ober- und Untertöne, die sich in vielen Kommentaren der Pro-Deutschland-Fraktion finden. Man trumpft auf, macht die Gegenseite lächerlich, beleidigt die „unsoliden Südländer“. Besonders hervor tut sich dabei leider die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (hier nur ein Beispiel von vielen):

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/deutscher-exportueberschuss-das-maerchen-vom-gleichgewicht-12653599.html

Es herrscht eine „Erfolgsbesoffenheit“ in den Medien, so schreibt Olaf Gersemann in der „Welt“ zu Recht, die das deutsche Wirtschaftsmodell als Muster für alle anderen Nationen hinstellt. Und dabei die Schattenseiten völlig übersieht.

Vor allem ärgert mich die Behauptung der Pro-Deutschland-Fraktion, nur ihre Haltung sei in Einklang mit einer Ordnungspolitik in der Tradition von Ludwig Erhard. Das ist, mit Verlaub, ziemlicher Quatsch.

Einer der prominentesten Ordnungspolitiker in Deutschland, der vor kurzem verstorbene Ökonom und ehemalige Staatssekretär Johann Eekhoff, schrieb 2004 einen Artikel im „Handelsblatt“ zur Export-Thematik, den sich die Kollegen in der FAZ vielleicht einmal zu Gemüte führen sollten.

http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/eekhoff/pub/HB3_12.pdf

 

 

Bernd Ziesemer

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