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Info-Grafik: Die unterschätzte Zukunft des Journalismus

Nichts kann ein komplexes Thema besser auf den Punkt bringen als eine gelungene Info-Grafik. Doch nichts ist im Journalismus und in der Unternehmenskommunikation auch schwerer umzusetzen.

Vor sieben, acht Jahren lieferten sich die Financial Times Deutschland und das Handelsblatt  einen Wettlauf um die beste Info-Grafik in deutschen Zeitungen. Die FTD lag dabei, wie ich damals als Chefredakteur des Handelsblatts feststellen musste, oft vorn. Wir beschlossen deshalb, ein neues Team aufzubauen, das sich ausschließlich diesem Thema widmen sollte. Erst als sich eine sehr fähige Journalistin gemeinsam mit den Grafikern ununterbrochen um die Aufbereitung der notwendigen Daten für Print und Online kümmerte, holte das Handelsblatt auf und überholte die FTD manchmal sogar. Susanne Wesch arbeitet auch heute noch als Grafikredakteurin des Handelsblatts. Sie kann ein Lied davon singen, wie viel Arbeit in einer überzeugenden Info-Grafik steckt.

Manchmal kommt es nur darauf an, die richtigen Daten zu recherchieren – und die Umsetzung ist dann ein Klacks. Ein gelungenes Beispiel dafür sieht man hier auf Buzzfeed:

http://www.buzzfeed.com/samir/this-map-of-planes-in-the-air-right-now-will-blow-your-mind

Die Info-Grafik über den Flugverkehr in den USA sagt mehr als tausend Zeilen Text könnten. Leider findet man auf den meisten deutschen Nachrichten-Websites nur wenige Beispiele dieser Qualität. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt in den meisten Redaktionen zu wenig Leute, die sich mit dem Thema Datenjournalismus und Info-Grafik professionell beschäftigen. Das gilt erst recht, wenn man sich an schwierige Themen macht. Der Aufwand, den man treiben muss, ist dann riesig. Dafür ein Beispiel aus der eigenen Praxis:

Als Geschäftsführer von Hoffmann und Campe war ich an einem spannenden Info-Grafik-Projekt bei der Allianz beteiligt. Brigitte Miksa und ihr Team vom Bereich International Pensions bei der Allianz Asset Management AG entwickelten gemeinsam mit mir und meinen Kollegen die Idee eines interaktiven Altersbaums für Project M, wie es ihn bis dahin nirgends gab. Ehe aus dem Gedanken etwas wurde, vergingen viele Monate Arbeit. Beteiligt an dem Projekt waren Rechercheure, Journalisten, Pensionsexperten, Grafiker, Programmierer und viele andere mehr. Hier ist das Ergebnis:

http://projectm-online.com/#/global-agenda/demographic-insights

Meiner Meinung nach zeigen solche Beispiele, wie viele Möglichkeiten der Datenjournalismus bietet. In Deutschland gibt es hier noch eine Lücke. Und es wird sich zeigen, wer sie künftig füllt: Klassische Medien, spezialisierte Blogs oder das Content-Marketing von Unternehmen.

 

 

 

Bernd Ziesemer

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