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FDP: Sprache der Anmaßung, falsches Politmarketing

Nichts ist erhabener als ein Volk, das um seine Freiheit kämpft. Und nichts lächerlicher als saturierte Bürger in einer liberalen Gesellschaft, die sich ständig selbst zur Widerstandsgruppe gegen die Unterdrückung stilisieren. Womit wir bereits mitten bei den Problemen der FDP wären – und bei ihrer völlig verfehlten Sprache.
Wer in diesen Tagen Informationen über den Bundesparteitag der FDP am 7./8. Dezember sucht, dem poppt sofort der schrille Störer im grellstmöglichen Gelb-Blau in die Augen: „Unterstützen Sie den Neustart der Freiheit.“ Und wer sich auf der Website der Liberalen weiter umschaut, der findet viele solcher Monstersprüche: „In Deutschland gibt es nur eine liberale Partei – die FDP.“ „Damit Deutschland stark bleibt – nur mit uns.“ „Wir halten Deutschland auf Kurs.“ „Weil es um Ihre Freiheit geht.“
http://www.fdp.de/index.html
Zugegeben: Einige Parolen stammen aus dem Wahlkampf, aber durchaus nicht alle. Neustart der Freiheit – das ist eine zentrale Botschaft des designierten FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Neustart der FDP – das wäre in Ordnung. Aber Neustart der Freiheit? Welche Hybris, welche Anmaßung! Und gleichzeitig: wie lächerlich. Eine kleine Partei, die gerade aus dem Bundestag geflogen ist, spielt sich als Fackelträgerin der Freiheit auf.
Wenn sich die Liberalen auf ihrem Parteitag mit ihren zahlreichen Problemen beschäftigen, dann sollten sie sich endlich auch einmal um ihrer Sprache kümmern. Wie sagte doch Ludwig Wittgenstein? Sprache ist die Wirklichkeit des Denkens. Wer so redet wie die Liberalen in den vergangenen Jahren, der denkt ziemlich merkwürdig. Und muss sich über die tiefe Kluft zur Lebenswirklichkeit der Menschen nicht wundern. Denn Nein: Wir müssen in Deutschland glücklicherweise nicht um „unsere Freiheit“ kämpfen. Wir sollten uns aber sehr wohl gegen die ständige Einschränkung einzelner Bürgerrechte und Freiheiten wehren.  Wer diesen fundamentalen Unterschied nicht begreift, hat nichts begriffen.
Die FDP spricht immer noch die Sprache Möllemanns und Westerwelles, dieses Projekt-18-Gehabe und Spaßmobil-Gedröhne. Auftrumpfend statt argumentierend, naseweis statt erfahrungsgesättigt, effekthaschend statt überzeugend, platt statt differenziert. So fährt man selbst die besten Argumente gegen die Wand.
Mit einem haben die Jungen Liberalen in ihrem Antrag zum FDP-Bundesparteitag recht (auch wenn sie es etwas hölzern ausdrücken): „Das äußerliche Image der Partei muss komplett überarbeitet werden.“  Ich würde es anders ausdrücken: Erst kommt das Denken, dann die Sprache, dann die Politik.

Bernd Ziesemer

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