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Mit Porsche in die Sackgasse

Der Stuttgarter Autohersteller will mit einem neuen Online-Angebot „größten Mehrwert“ für Journalisten schaffen. Doch je mehr man klickt, desto mehr ärgert man sich. Ein Musterbeispiel dafür, wie sich Unternehmenskommunikation im Netz verheddert.

Der neue „Newsroom“ von Porsche ist seit dem 17. Juni Online – „exklusiv für Journalisten und Online-Multiplikatoren“, wie das Unternehmen verspricht. Man findet auf der Site viele bunte Bilder mit vielen bunten Autos, Artikel aus dem Porsche-Magazin „Christophorus“ und eine völlig missratene Navigation. Wer auf „Unternehmen“ klickt, findet nicht eine einzige substantielle Information über den Konzern (z.B. Umsatzzahlen, Vorstand, Geschäftsbericht). Stattdessen mehr bunte Bilder mit mehr bunten Autos. Hier der Link: http://newsroom.porsche.com/EN.html

Also klicken wir mal auf den Link, der uns zur „offiziellen“ Website von Porsche weiter leitet. Sie ist leider zu „dumm“, meine IP-Adresse zu erkennen. Als oute ich mich brav als Mensch aus Deutschland. Nun lande ich auf einer sehr lieblos gemachten Unternehmens-Site, auf der ich immer noch keine vernünftigen Informationen über das Unternehmen finde. Hier der Link: http://www.porsche.com/germany/aboutporsche/

Stattdessen gibt es jetzt den verwirrenden Link „Newsroom und Presse“- ich dachte, da war ich schon. Aber was soll es, ich klicke. Eine neue Site mit einem knalligen Porsche-Logo – und einer Bleiwüste von Verbrauchswerten unterschiedlicher Modelle. Aber halt – darunter tatsächlich eine Übersicht über fünf (!) aktuelle Pressemitteilungen, die ich größtenteils bereits aus dem neuen „Newsroom“ kennte. Da reicht mir nicht, also klicke ich auf den Link zur „Porsche Pressedatenbank“. Dort soll ich mich mit meinen persönlichen Daten anmelden: https://presse.porsche.de/prod/presse_pag/PressResources.nsf Nach diesem merkwürdigen Prozedere bekomme ich allerdings immer noch keine Presseinformationen, sondern ein paar Stunden später eine Mail:   „Sehr geehrter Herr Ziesemer,

vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich eines Zugangs zur Porsche Presse-Datenbank. Leider ging aus Ihrer Anmeldung nicht hervor, ob Sie als Journalist tätig sind. Bitte seien Sie deshalb so freundlich und senden Sie uns Belegexemplare Ihrer journalistischen Tätigkeit oder eine Kopie Ihres Presseausweises per Fax/E-Mail zu. Wir werden Ihren Zugang dann umgehend freischalten.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte presse@porsche.de.   Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG Öffentlichkeitsarbeit

Telefon : 0049-711 911-24764 Telefax : 0049-711 911-26372 E-Mail: presse@porsche.de

Nach zehn bis zwölf Klicks bin ich also bei Porsche rasant in eine Sackgasse gefahren. Liebe Kollegen der Porsche-Unternehmenskommunikation: Das viele Geld für den Newsroom hättet Ihr Euch sparen können, wenn man dort gar nicht alle Informationen über Porsche bekommt! Und so toll sind Eure alten Pressemitteilungen ehrlich gesagt auch nicht, dass Ihr sie hinter digitalen Mauern vergraben müsst. Und noch ein zarter Hinweis: Wer „Online-Multiplikatoren“ ansprechen will, sollte seine Inhalte vielleicht lieber zum Weiterposten freigeben. Bei Euch steht stattdessen: Eine Widergabe sei nur „mit schriftlicher Genehmigung der Porsche AG gestattet“. Schade um die schönen bunten Bilder mit vielen bunten Autos.

 

Bernd Ziesemer

4 Kommentare

  1. Ihr Feedback bezieht sich jetzt nicht so sehr auf den neuen “Newsroom”, mehr so auf die Klickstrecken dahinter. Die einzige wirkliche Kritik, die ich dem Beitrag entnehmen kann, ist der Wunsch nach “substantiellen” Zahlen. Und wenn man rechts auf “Unternehmen” klickt, dann kommt die Meldung vom 31.07.14 zu Umsatz und Ergebnis aus HJ.1. Links werden dann weitere Artikel gezeigt und darunter auch der Geschäftsbericht des Jahres 2013.

    Bei allem Verständnis für einen schönen Rant – der hier war frei von substantieller Kritik. Sie haben Sie sich verlaufen. Ich selbst fand die Navigation gut. Dafür habe ich andere Kritikpunkte. Und soll ich Ihnen was sagen? Diese Meta-Informationen werden die Leser nicht interessieren, besser wäre es bei den Verantwortlichen aufgehoben.

    Schicken Sie die Kritik doch dem Hrn. Bode, der wird sich kümmern.

  2. Sehr geehrter Herr Ziesemer,
    gerne möchte ich Ihre Kritik als neutrale Instanz kommentieren. Vorweg: Ich bin kein Mitarbeiter der Porsche AG, kein Angehöriger eines Mitarbeiters oder der Familie oder Gesellschafter des Unternehmens und stehe auch sonst in keinem Kontakt mit der Porsche AG bis auf die Tatsache, dass ich mich als Endkunde für den Cayman interessiere. Grundsätzlich stimme ich Ihnen vollumfänglich zu, dass die von Ihnen beannten Informationen auf der “Presseseite” zur Verfügung gestellt bzw. verlinkt werden sollten. Allerdings ist es um die Seite dann nicht ganz so schlimm bestellt, wie Sie dem Leser in Ihren dramatischen Schilderungen suggerieren möchten. Wenn Sie auf der “offiziellen” Porsche Seite sind, dann brauchen Sie doch nur kurz nach unten scrollen und den Menupunkt “Porsche im Überblick” wählen. Von dort kommen Sie dann auf die von Ihnen gewünschten Informationen sowohl über Vorstand und Aufsichtsrat als auch den Geschäftsbericht. Für letzteren wählen Sie einfach den Punkt “Daten & Fakten” und schon steht der Geschäftsbericht als PDF zur Verfügung. Ferner wird kurz über die “Strategie” schwadroniert und es werden Informationen über die Standorte gegeben. Abschließend stelle ich ebenfalls fest, dass Sie in Ihrer Kritik auf der einen Seite von einer “sehr lieblos gemachten Unternehmens-Site” sprechen (finde ich nicht) und auf der anderen Seite die “vielen bunten Bilder der vielen bunten Autos” indirekt kritisieren. Die Argumentationskette ist nicht konsistent und grenzt für mich an Rabulistik. Porsche ist ein Premium-Anbieter und Lifestyle-Unternehmen von Autos die keiner braucht, aber jeder gerne möchte. Viele bunte Bilder der vielen bunten Autos gehören für einen Internetauftritt dazu. Würde Porsche die Internetseite rein technisch und aus Ingenieurssicht gestalten, dann würde Sie sicherlich dies zerreißen. Sie schreiben: “Desto mehr man klickt, desto mehr ärgert man sich”. Meine Empfehlung an Sie: Nicht qunatitativ, sondern qualitativ klicken, d.h. nicht drauf los klicken, sondern richtig klicken. Hilft die gewünschten Informationen zu finden und erspart Ärger. Garantiert! Einen schönen Tag noch!

  3. Sehr geehrter Herr Ziesemer,
    gerne möchte ich Ihre Kritik als neutrale Instanz kommentieren.

    Vorweg: Ich bin kein Mitarbeiter der Porsche AG, kein Angehöriger eines Mitarbeiters oder der Familie oder ein Gesellschafter des Unternehmens und stehe auch sonst in keinem Kontakt mit der Porsche AG bis auf die Tatsache, dass ich mich als Endkunde für den “Cayman S” sehr interessiere.

    Grundsätzlich kann man Ihnen zustimmen, dass die von Ihnen benannten Informationen auch auf der “Presseseite” zur Verfügung gestellt bzw. verlinkt werden sollten. Vielleicht hätte hier eine konstruktive Kritik und E-Mail in Richtung der Abteilung “Presse & Öffentlichkeitsarbeit” genügt, um Abhilfe zu schaffen, anstelle alles direkt schlecht zu reden.

    Warum sage ich das? Es ist um die Internetseite von Porsche nicht ansatzwesie so schlimm bestellt, wie Sie dem Leser in Ihren dramatischen Schilderungen suggerieren möchten.

    Wenn Sie sich auf der “offiziellen” Porsche Seite befinden, dann brauchen Sie doch nur kurz nach unten scrollen und den Menupunkt “Porsche im Überblick” wählen. Von dort kommen Sie dann direkt auf die von Ihnen gewünschten Informationen sowohl über Vorstand und Aufsichtsrat als auch zu dem Geschäftsbericht. Für letzteren wählen Sie einfach den Punkt “Daten & Fakten” und schon steht der Geschäftsbericht als PDF zur Verfügung. Was wollen Sie mehr? Ferner wird kurz über die “Strategie” informiert und es werden Informationen über die diversen Standorte gegeben.

    Abschließend stelle ich ebenfalls fest, dass Sie in Ihrer Kritik auf der einen Seite von einer “sehr lieblos gemachten Unternehmens-Site” sprechen (finde ich überhaupt nicht!), um dann im gleichen Atemzug die “vielen bunten Bilder der vielen bunten Autos” zu kritisieren. Was denn jetzt? Ihre Argumentationskette ist nicht konsistent und grenzt für mich fast schon an Rabulistik.

    Porsche ist ein Premium-Anbieter und Lifestyle-Unternehmen von Autos die zwar keiner braucht, aber jeder gerne möchte!
    Und da gehören “viele bunte Bilder der vielen bunten Autos” für einen gelungen Internetauftritt dieser Marke einfach dazu.

    Falls Sie das aus Markensicht aufgrund fehlender Nähe und Praxis zum Thema nicht verstehen, dann ist das nicht weiter schlimm, jedoch empfehle ich Ihnen sich im Vorfeld einer Kritik intensiver mit der Materie zu beschäftigen. Würde Porsche die Internetseite rein technisch und aus Ingenieurssicht gestalten, dann würden Sie sicherlich diese Vorgehensweise als “langweilig und nicht verständlich” zerreißen.

    Ferner schreiben Sie: “Desto mehr man klickt, desto mehr ärgert man sich”. Auch das entspricht meiner Meinung nach nicht den Tatsachen.
    Daher gebe ich gerne eine weiterte Empfehlung an Sie: Nicht quantitativ, sondern qualitativ klicken, d.h. nicht unüberlegt drauf los klicken, sondern richtig klicken. Das hilft dann auch die gewünschten Informationen in wenigen Klicks zu finden und erspart Ärger. Garantiert!

    Die von Ihnen gesuchten Information sind alle auf der Konzernseite durch wenige Klicks direkt und problemlos auffindbar.
    So bleibt Ihre Kritik für mich eine völlig belanglose und unbegründet Kritik des kritisieren Willens wegen. Schade, denn einer Person Ihres Coleurs hätte ich dann doch etwas mehr Recherche- und Analysekompetenz zugestanden.

    Eine schönen Tag zu Ihnen nach Hamburg!

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