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Mobile Falle für die Verlage

Wie konsumieren wir künftig Nachrichten? Die Frage stellen, heißt sie beantworten: im Wesentlichen über unsere mobilen Endgeräte. Schon jetzt gehört der Griff zum Smartphone, um sich am frühen Morgen zu informieren, zur Tagesroutine von immer mehr Menschen.

Dieser Trend verstärkt sich von Monat zu Monat:
http://www.bvdw.org/medien/online-nutzung-durch-mobile-endgeraete-deutlich-gestiegen?media=5728
Alle wichtigen Medien bieten deshalb mobile Nachrichtenangebote an – oder verlassen sich bereits generell auf Websites mit „responsive Design“: Die Homepage erkennt, welches Endgerät auf sie zugreift, und passt sich automatisch an. Die große Frage für die Medien – oder genauer gesagt: für ihre Verlage – wartet jedoch noch auf eine Antwort: Wie soll man diese Nachrichtenangebote langfristig finanzieren?
Mit Banner-Werbung wird es auf jeden Fall NICHT funktionieren. Sie nervt auf einem Smartphone noch mehr als auf einem normalen Computer. Schlimmer noch: Künftig werden immer mehr Nutzer Werbeblocker auf ihren Geräten installieren – oder die Telefongesellschaften blocken selbst Werbung:
http://www.niemanlab.org/2015/06/a-blow-for-mobile-advertising-the-next-version-of-safari-will-let-users-block-ads-on-iphones-and-ipads/
Thomas Koch, einer der klügsten Köpfe der Kommunikationsbranche, hat die Verlage schon vor zwei Jahren vor der Falle gewarnt, in die sie beim mobilen Internet hinein tapsen:
http://www.wuv.de/blogs/mrmedia/mobile_die_digitale_revolution_frisst_ihre_kinder
Doch der Zug der Lemminge zieht weiter. Neue Ideen? Nirgends. Jedenfalls nicht in deutschen Zeitungsverlagen. Es gibt viele Start-ups, vor allem in den USA, die an neuen Lösungen für mobile Nachrichten arbeiten. Viele von ihnen scheitern:
http://fortune.com/2015/06/24/circa-is-dead/
Aber selbst die gescheiterten Start-ups zeigen, in welche Richtung es gehen muss: Mit der einfachen Verlagerung von traditionellen Nachrichten in die mobile Welt wird es nicht getan sein. Zahlreiche neue technische Features müssen her, damit die Bereitschaft von Nutzern entsteht, auch für Angebote zu zahlen.
Was garantiert nicht funktionieren wird im mobilen Internet, ist der Weg, den gegenwärtig die „Süddeutsche Zeitung“ oder das „Handelsblatt“ gehen. Ihre Nutzer sollen für einzelne Premium-Inhalte auf dem Smartphone extra bezahlen – und müssen sich durch mehrere Schritte hangeln, die für die typische Morgen-, Abend- und Zwischendurchnutzung von Nachrichten einfach zu kompliziert sind. Wenn schon Paid Content, dann für ganze Angebote – und auch nur dann, wenn sie um ein vielfaches besser sind als Angebote, die man umsonst bekommt.

Bernd Ziesemer

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